„Wenn vor uns ein feindliches Heer dann erscheint, wird Vollgas gegeben und ran in den Feind“ singt man vielleicht jetzt im gemütlichen Teil von CDU-Versammlungen. Welchen Zweck sollte sonst die Aufnahme des „Panzerliedes“ ins schwarze Gesangbuch haben? Ich habe durchaus Verständnis für derartiges Liedgut bei unserem Koalitionspartner. Schließlich weht dem gerade der Wind kräftig ins Gesicht. Zumindest in der Bundespolitik. Nachdem man die Mittelschichten links liegen gelassen hat, geht es nach dem Motto „Augen zu und durch“ immer weiter nach links.
Auch dabei hilft das Panzerlied. Schließlich sind die gegenwärtigen Umfrage-Ergebnisse für die Liberalen ein echtes Ärgernis für die Christdemokraten. Wahrscheinlich singen unsere schwarzen Freunde auch nach Stuttgarter Koalitionsrunden heimlich die vierte Strophe des martialischen Gesanges: …und droh’n vor uns Geschütze, versteckt im gelben Sand, wir suchen uns Wege, die keiner sonst fand“. Einer dieser Wege könnte das Schwarze-Peter-Spiel sein, zu dem sich Innenminister Heribert Rech jetzt hinreißen ließ. Statt die Verantwortung für die Wattestäbchen-Panne richtiger Weise bei seinem Landespolizeipräsidenten anzusiedeln, schiebt er sie dem zuständigen Staatsanwalt zu. Wie reimte doch jener Oberleutnant Wiele 1933 auf der Fahrt nach Königsbrück? „Mit Sperren und Minen hält der Gegner uns auf, wir lachen darüber und fahren nicht drauf“.
Glücklicherweise kennt man das Panzerlied nicht nur in der Union. Kürzlich sagte mir ein promovierter sozialdemokratischer Kollege aus dem Nordschwarzwald nach intensivem Studium des Landtags-Handbuches auf den Kopf zu, dass ich ja auch Panzeraufklärer gewesen sei. Der Mann hat Recht! Er selber hat es allerdings bei der Truppe mit der gelben Waffenfarbe weiter gebracht als ich. Während er dort zu Offiziersehren kam, brachte ich es nur zum Gefreiten. Das kann daran gelegen haben, dass ich das Panzerlied nie so richtig mitschmettern mochte. Ich sang viel lieber das Bürgerlied von 1848: „Ob wir rote, gelbe Kragen, Helme oder Hüte tragen, Stiefel tragen oder Schuh. Oder ob wir Röcke nähen und zu Schuhen Drähte drehen Das tut, das tut nichts dazu.“
Dieses Bürgerlied werde ich anstimmen, wenn ich irgendwo das Panzerlied höre. Und besonders laut meinen Lieblingsvers singen: „Aber ob wir Neues bauen oder Altes nur verdauen, wie das Gras verdaut die Kuh. Ob wir in der Welt was schaffen oder nur die Welt begaffen, das tut, das tut was dazu“!

0 Antworten to “Es braust unser Panzer im Sturmwind dahin”
Hinterlasse eine Nachricht