In den Sommerferien bevölkern nicht mehr oder weniger ehrwürdige Abgeordnete den Landtag von Baden-Württemberg, sondern putzmuntere Abgesandte zahlreicher Kinderferienprogramme. In der Sicherheitsschleuse an der Pforte sind sie noch etwas befangen, aber dann tauen sie ganz schnell auf.
Die Leute vom Besucherdienst spulen kein vorgefertigtes Programm herunter, sondern gehen richtig auf den Bürger- und Politiker-Nachwuchs ein. In der Eingangshalle können die Besucherinnen und Besucher schauen, wo ihr örtlicher Abgeordneter sitzt, in welchen Gremien er mitarbeitet und ob er eine Ähnlichkeit mit den Büsten ehemaliger Landtagspräsidenten oder versteinerter Urviecher hat.
Im Plenarsaal geht’s dann richtig rund. Schon bei der Wahl des Präsidenten werden gewohnte Koalitionsbahnen verlassen. Geht’s dann an die Kür des Regierungschefs, muss auf dem Präsidiumsstuhl schon mal zur Glocke gegriffen werden. Ist die Regierungsbank besetzt, liefern sich Schülerinnen und Schüler heftige Redeschlachten.
Bei meiner Besuchergruppe fehlte es zuerst an einem Debattenthema. Als ich dann eine Verlängerung der Schulzeit und eine Verkürzung der Ferien vorschlug, mangelte es nicht an Argumenten dagegen. Und erstaunlicherweise waren manche sogar mit einer Ferien-Verkürzung einverstanden. Weil man dann vielleicht mehr Zeit zum Lernen hätte.
Aber die Mehrheit entschied glücklicherweise anders. „Man kann nicht immer nur büffeln“, war eine gewichtige Meinungsäußerung, „man muss auch mal die Seele baumeln lassen“. Oder sich im Freibad abkühlen, bei Wanderungen die Natur entdecken oder im Urlaub mit den Eltern Neues kennenlernen.
Ein älterer Teilnehmer einer anderen Besuchergruppe runzelte die Stirn, als die Meute aus dem Plenarsaal zum Maultaschen-Essen stürmte. „Die machen aber einen Lärm“, bemängelte seine Begleiterin. „Freuen Sie sich darüber“, sagte ich fröhlich lachend beiden, „Kinderlärm ist Zukunftsmusik!“
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