Dass Abgeordnete auch Ferien brauchen, liegt auf der Hand. In diesem Jahr haben die baden-württembergischen Parlamentarier damit aber ein Problem. Über Pfingsten konnten die meis-ten wegen der Kommunal- und Europa-Wahlen nicht weg. Und die Sommerferien wurden und werden von der Bundestagswahl überschattet. Viele gönnten sich deshalb nur einen Kurztrip an einen Urlaubsort. Damit man in den gegenwärtigen hochpolitischen Zeiten immer greifbar ist, empfiehlt sich dafür ein Ziel im Ländle. Über schöne Urlaubsregionen verfügen wir ja in großer Zahl. Da wird man im Allgäu und am Bodensee, im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb sehr schnell fündig.
Man kann die Ferien aber auch nutzen, um die Festesfreude der Wählerinnen und Wähler näher kennen zu lernen. Landauf, landab gibt es derzeit Weindörfer und Dorffeiern, Straßenfeste und Gassenhocks. Sie bieten beste Gelegenheiten zum Gespräch und damit zur gegenseitigen politischen Information. Wer diejenigen, die diese Möglichkeit nutzen, als „Festochsen“ oder „Partymäuse“ abtut, hat nicht begriffen, dass Politiker nicht nur reden, sondern vor allem zuhören können sollten. Schließlich sind die Bürgerinnen und Bürger die Arbeit- und Auftraggeber der Abgeordneten.
Politisch Tätige, die sich derzeit weniger im Büro und häufiger auf „Heckenbeerlesfeschten“ aufhalten, machen deshalb nichts falsch, sondern vieles richtig. Für einen Parlamentarier gibt es nichts wichtigeres, als enge Kontakte zur Bürgerschaft. Sie zu pflegen, ist jetzt die beste Zeit. Deshalb hinein ins Vergnügen des Stuttgarter Weindorfes oder des Reutlinger Herbstes, der Markgräfler Rotweinnacht oder zum Gundelfinger Weinzauber. Aber es muss auch nicht immer Wein sein: Es gibt auch so manchen Mostbesen und so manche Brauereihocketse. Und natürlich Zwiebelkuchen- und Kürbisfeste, Bauernmärkte und Schlachtplattenessen. Die Auswahl ist groß – nichts wie hin!
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