Bis zur nächsten Landtagswahl ist es noch über ein Jahr. Aber schon jetzt werden landauf-landab die Kandidat(inn)en fürs Parlament aufgestellt. Weil sich leider nur wenige Bürgerinnen und Bürger in den politischen Parteien engagieren, sind die Wahlkreiskonferenzen meistens keine Massenveranstaltungen. Oft entscheiden schon ein paar Dutzend Parteimitglieder, wer sie im nächsten baden-württembergischen Landtag vertreten soll. Das Wahlvolk hat dann nur noch die zweite Wahl: Es kann zwischen den von den Parteien präsentierten Persönlichkeiten entscheiden, hat aber auf die Zusammensetzung dieser Auswahl keinen Einfluss.
Anderswo ist das anders. In den Vereinigten Staaten von Amerika küren nicht nur die eingeschriebenen Mitglieder einer Partei die Bewerber/innen, sondern sehr viele Interessierte. Bei der geschlossenen Vorwahl (Closed Primary) lassen sich die Anhänger der betreffenden politischen Richtung registrieren und können dann bei der Nominierung mit entscheiden. Ganz offen geht es bei der offenen Vorwahl (Open Primary) zu. Da können alle Wahlberechtigten an den Vorwahlen jeder Partei teilnehmen. Eine Mitgliedschaft oder auch nur eine ausdrückliche Parteipräferenz ist dazu nicht erforderlich.
Da wird mancher Parteifunktionär froh sein, dass wir diese Mode von Übersee noch nicht übernommen haben. Schließlich können parteiinterne Differenzen deshalb im Hinterzimmer ausgetragen werden. Wer Kandidatin oder Kandidat werden will, erkundet die Chancen, schließt Bündnisse mit dieser und jenem, trifft Absprachen und mobilisiert zum entscheidenden Termin den Anhang im Orts- und Kreisverband.
Wer nicht nur die zweite Wahl haben will, sollte sich deshalb zum Eintritt in eine der demokratischen Parteien entschließen. Da erst wenige Nominierungen erfolgt sind, kann man seinen Einfluss durchaus noch geltend machen. Bei der FDP gilt das in besonderem Maße. Weil sie zwar den größten Mitgliederzuwachs, aber insgesamt nicht so viele Mitglieder hat, ist die Einflussmöglichkeit neuer Parteigänger/innen hier am größten. Ein guter Rat für alle, die mitbestimmen wollen: Nichts wie hinein in die liberale Partei!
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