Gleiches Gewicht für jede Stimme

Es soll immer noch Christ- und Sozialdemokraten geben, die von einem Mehrheitswahlrecht träumen. Wenn in jedem Wahlkreis nur ein Abgeordneter gewählt werden würde, wüssten die Wählerinnen und Wähler immer, wo sie dran seien. Ein Blick nach Großbritannien zeigt aber, das angebliche Mehrheiten gar keine sind. Um im Wahlkreis direkt gewählt zu werden, braucht man weder im Vereinigten Königreich noch in Deutschland eine Mehrheit. Gewählt ist, wer die meisten Stimmen auf sich vereinigt.

Ein Beispiel: Der CDU-Bewerber bekommt in einem Wahlkreis 30 000 Stimmen, der von der SPD 17 000, der Liberale 10 000 und der Grüne 8000. Direkt gewählt ist der Schwarze, obwohl die Gegenkandidaten zusammen 5000 Stimmen mehr haben. Bei uns fallen diese Stimmen nicht unter den Tisch, sondern werden für jede Partei zusammen gezählt und ins Verhältnis gesetzt. Nach diesem Verhältnis werden dann die Sitze vergeben, von denen man die direkt gewählten abzieht.

In Großbritannien gibt es keine solche Verhältniswahl. Das führt zu einer deutlichen Verzerrung des Wählerwillens, Während die Labour-Party mit 8,6 Millionen Stimmen 258 Sitze erhält, müssen sich die Liberaldemokraten bei 6,8 Millionen Stimmen mit 57 Mandaten zufrieden geben. Für einen roten Sitz braucht man also nur 33 333 Stimmen, für einen gelben aber 119 298. Das hat mit einer gleichen Gewichtung der Stimmen nichts mehr zu tun.

Also bleiben wir lieber bei unserem System. Zwar sind kleinere Parteien auch bei uns benachteiligt, aber immerhin fallen nicht so viele Stimmen einfach unter den Tisch. Sollte uns also irgend jemand ein Mehrheitswahlsystem nach britischem Vorbild vorschlagen, ist unser aller entschiedener Widerstand gefragt. Zum Verhältniswahlrecht gibt es keine Alternative. Wahrscheinlich werden sich auch die Briten davon abwenden. Schließlich garantiert es ja nicht mal mehr Mehrheiten!

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