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Bullinger: Bodenseefischerei braucht neue Entwicklungs-Chancen

Grün-rote Landesregierung spricht von notwendiger Reduzierung der Betriebe

Der Sprecher der FDP-Landtagsfraktion für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Dr. Friedrich Bullinger, hat die Entwicklung neuer Perspektiven bei der Produktion und Vermarktung von Bodenseefisch gefordert. „Ziel muss sein, dass die Ertragssituation der Fischer trotz rückläufiger Felchenbestände stabilisiert wird. Das Land muss dazu neue Vermarktungsstrategien unterstützen und die Erforschung von Zuchtmöglichkeiten in Aquakulturen vorantreiben. Die Bodenseefischerei ist nicht zuletzt auch ein wichtiger Tourismusfaktor für die Region“, so Bullinger.

In ihrem Antrag „Ökonomische Situation der Berufsfischer am Bodensee – Zukünftige Konzeptionen für einen effektiven Gewässerschutz im Einklang mit Fischerei und Tourismus“ (DS 15/4468) hatte die FDP -Landtagsfraktion die Landesregierung unter anderem auch nach der Entwicklung der Fangerträge, dem für das Fischwachstum wichtigen Phosphatgehalt und wirtschaftlichen Entwicklungsperspektiven der Fischerei am See gefragt.

Durch den Bau zahlreicher Kläranlagen ist der Phosphatgehalt im Seewasser auf etwa sechs Mikrogramm je Liter stark gesunkenen. Mit Blick auf diese Entwicklung sprach sich Bullinger für einen pragmatischen Weg aus: „Der Bodensee ist heute wieder ein tolles Wasserreservoir. Dass die Spitzenwerte der Achtzigerjahre von bis zu 90 Mikrogramm je Liter der Vergangenheit angehören, ist sicherlich zu begrüßen. Angesichts der rückläufigen Fangerträge der Fischer sollte man aber bei der heutigen Wasserqualität von zusätzlichen kostenintensiven Maßnahmen zur Phosphatfällung absehen und keine weitere Absenkung des Phosphatgehaltes mehr anstreben.“

Die Erträge der Bodenseefischer beim Fang des Bodenseefelchens sind in den vergangenen Jahren stark eingebrochen, was hauptsächlich auf den gesunkenen Phosphatgehalt zurückgeführt wird. In seiner Stellungnahme räumt der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Alexander Bonde (Grüne) ein: „Aus zahlreichen Untersuchungen an Alpen- und Voralpenseen ist bekannt, dass die Fangerträge überproportional stark zurückgehen, wenn der P-Gehalt unter einen Wert von 10 Mikrogramm je Liter sinkt. Der deutliche Einbruch der Erträge von 2011 auf 2012 und der voraussichtlich weiter sinkende Ertrag in 2013 scheinen diese Erfahrung an anderen Seen zu bestätigen.“

Die Haltung der grün-roten Landesregierung zur weiteren Entwicklung des Phosphatgehalts und der Fischerei, die Bonde in seiner Stellungnahme anklingen lässt, hält Bullinger für ideologisch. Der grüne Minister verweist in seiner Stellungnahme auf die Auffassung der internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei, dass aufgrund der sinkenden Fangerträge „die Zahl der Betriebe von derzeit 110 auf 70 bis 80 reduziert werden muss, damit voraussichtlich die einzelnen Betriebe überlebensfähig sein können.“ Ein aktives Phosphatmanagement lehnt Bonde ab und bezieht sich dabei auf die Ziele der internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB). Dr. Bullinger spricht sich hingegen für einen pragmatischeren Umgang mit den Zielsetzungen der IGKB aus: „Richtig ist, dass die IGKB das Ziel formuliert hat, den See in einem langfristigen ökologischen Zustand zu erhalten und einen ‚oligotrophen Zustand mit wenig Phosphor‘ zu erreichen. Aber es besteht weder die Notwendigkeit noch eine Verpflichtung, den ohnehin schon sehr niedrigen Phosphatgehalt um jeden Preis weiter abzusenken.“

Mit Blick auf künftige Perspektiven der Bodenseefischerei berichtete Bonde, dass eine Produktion des Bodenseefelchens in Aquakulturen nach Einschätzung der Fischereiforschungsstelle Langenargen wahrscheinlich möglich ist. Nach wie vor seien aber wichtige Fragen dazu offen. Einen Abschlussbericht zur laufenden Forschung plant die Forschungsstelle für 2015. Eine Förderung von Aquakulturen wäre voraussichtlich über den Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) möglich, der für den Zeitraum 2014 bis 2020 vorgesehen ist, heißt es in der Antwort des Ministers an die FDP-Fraktion. Zudem werde der Aufbau einer Regionalmarke und die Kennzeichnung des Bodenseefelchens nach EU-Recht als geschützte geografische Angabe oder als geschützte Ursprungsbezeichnung diskutiert. Dr. Bullinger forderte Bonde dazu auf, die Bodenseefischer bei entsprechenden Bemühungen um eine EU-Zertifizierung aktiv zu begleiten, um das regionale Produkt Bodenseefelchen zu stärken.

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Mitteilung Nr. 791

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